Ein Herzinfarkt beginnt nicht immer mit einem dramatischen Zusammenbruch. Oft sind es scheinbar harmlose Beschwerden: ein Druck hinter dem Brustbein, Atemnot beim Treppensteigen oder ein Ziehen im linken Arm. Viele Betroffene hoffen, dass die Symptome von selbst verschwinden. Genau dieses Abwarten kann jedoch wertvolle Zeit kosten.
Der Herzinfarkt zählt nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Gleichzeitig gehört er zu den Erkrankungen, bei denen die moderne Medizin enorme Fortschritte erzielt hat. Wird ein verschlossenes Herzkranzgefäß rechtzeitig wieder geöffnet, kann ein Großteil des Herzmuskels gerettet werden.
Deshalb gilt in der Kardiologie ein einfacher Grundsatz:
Zeit ist Herzmuskel.
Je früher ein Herzinfarkt erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen und desto geringer ist das Risiko bleibender Herzschäden.
Ein Herzinfarkt, medizinisch Myokardinfarkt, entsteht, wenn ein Herzkranzgefäß plötzlich verschlossen wird. Die Herzkranzgefäße versorgen den Herzmuskel rund um die Uhr mit Sauerstoff und Nährstoffen. Wird diese Versorgung unterbrochen, beginnt der Herzmuskel bereits nach wenigen Minuten Schaden zu nehmen.
Anders als viele andere Gewebe kann sich abgestorbener Herzmuskel nicht vollständig regenerieren. Stattdessen entsteht Narbengewebe, das die Pumpfunktion dauerhaft beeinträchtigen kann. Deshalb handelt es sich bei jedem Herzinfarkt um einen medizinischen Notfall.
Die eigentliche Ursache entwickelt sich meist über viele Jahre. In den Herzkranzgefäßen lagern sich Cholesterin, Entzündungszellen und Bindegewebe in der Gefäßwand ab. Diese Veränderungen werden als Arteriosklerose bezeichnet.
Solche Ablagerungen bleiben oft lange unbemerkt. Gefährlich wird es, wenn eine dieser Plaques plötzlich aufreißt. Der Körper versucht, die verletzte Gefäßwand mit einem Blutgerinnsel zu verschließen. Dabei kann das Herzkranzgefäß innerhalb weniger Minuten vollständig blockiert werden.
Ab diesem Zeitpunkt erhält der betroffene Herzmuskel keinen Sauerstoff mehr. Ohne rasche Behandlung sterben Herzmuskelzellen unwiederbringlich ab.
Die Beschwerden können von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Typische Warnzeichen sind jedoch:
Besonders typisch ist, dass die Beschwerden länger als 15 bis 20 Minuten anhalten und sich in Ruhe nicht bessern.
Ein Herzinfarkt zeigt sich bei Frauen häufig weniger eindeutig als bei Männern. Brustschmerzen können zwar auftreten, stehen jedoch nicht immer im Vordergrund.
Viele Patientinnen berichten stattdessen über:
Dadurch wird ein Herzinfarkt bei Frauen leider häufig später erkannt. Gerade deshalb sollten solche Beschwerden niemals unterschätzt werden.
Nicht jeder Herzinfarkt verursacht starke Schmerzen. Besonders ältere Menschen sowie Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus erleben manchmal einen sogenannten stillen Herzinfarkt.
Die Beschwerden können überraschend unspezifisch sein:
Auch diese Symptome sollten rasch ärztlich abgeklärt werden.
Besteht der Verdacht auf einen Herzinfarkt, zählt jede Minute.
Rufen Sie sofort den Notruf 144.
Versuchen Sie nicht, selbst mit dem Auto ins Krankenhaus zu fahren. Bereits im Rettungswagen können lebensrettende Maßnahmen eingeleitet, ein EKG geschrieben und das Herzkatheterlabor vorbereitet werden.
Eine schnelle Behandlung verbessert die Überlebenschancen erheblich.
Im Krankenhaus erfolgen innerhalb weniger Minuten mehrere Untersuchungen:
Bestätigt sich der Verdacht auf einen akuten Herzinfarkt, wird in den meisten Fällen unmittelbar eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt.
Das wichtigste Ziel besteht darin, das verschlossene Herzkranzgefäß möglichst rasch wieder zu eröffnen.
Heute gelingt dies meist durch eine Herzkatheteruntersuchung. Über die Arterie am Handgelenk oder in der Leiste wird ein dünner Katheter bis zum Herzen vorgeschoben. Mit einem kleinen Ballon wird die Engstelle erweitert. Anschließend stabilisiert häufig ein Stent das betroffene Gefäß dauerhaft.
Zusätzlich erhalten Patientinnen und Patienten Medikamente, welche die Blutgerinnung hemmen, das Herz entlasten und das Risiko weiterer Herzinfarkte deutlich senken.
Ja. Viele Herzinfarkte lassen sich verhindern.
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:
Ebenso wichtig sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Erkrankungen wie Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte verursachen oft jahrelang keine Beschwerden und bleiben deshalb unbemerkt.
Ein Herzinfarkt kommt selten völlig ohne Vorwarnung. Der Körper sendet häufig Signale, die ernst genommen werden sollten. Brustschmerzen, Atemnot oder ein plötzliches Druckgefühl im Brustkorb sind niemals Beschwerden, die man einfach aussitzen sollte.
Die moderne Kardiologie kann heute vielen Menschen das Leben retten. Entscheidend bleibt jedoch, dass Betroffene die Warnzeichen früh erkennen und ohne Zeitverlust den Notruf wählen.
Wer seine Risikofaktoren kennt und regelmäßig kontrollieren lässt, kann zudem aktiv dazu beitragen, einem Herzinfarkt vorzubeugen und die Herzgesundheit langfristig zu erhalten.
Ja. Besonders Frauen, ältere Menschen und Diabetiker leiden häufig unter Luftnot, Übelkeit oder starker Müdigkeit anstelle klassischer Brustschmerzen.
Meist länger als 15 bis 20 Minuten. Sie bessern sich weder in Ruhe noch durch Lagewechsel.
Stress allein verursacht in der Regel keinen Herzinfarkt. Bei bereits bestehenden Gefäßverkalkungen kann er jedoch ein auslösender Faktor sein.
Ja. Ein gesunder Lebensstil sowie die konsequente Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und erhöhten Cholesterinwerten können das Risiko deutlich senken.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt wählen Sie sofort den Notruf 144.
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