Herzinfarkt erkennen – Warnzeichen, Symptome und warum jede Minute zählt

Ein Herzinfarkt beginnt nicht immer mit einem dramatischen Zusammenbruch. Oft sind es scheinbar harmlose Beschwerden: ein Druck hinter dem Brustbein, Atemnot beim Treppensteigen oder ein Ziehen im linken Arm. Viele Betroffene hoffen, dass die Symptome von selbst verschwinden. Genau dieses Abwarten kann jedoch wertvolle Zeit kosten.

Der Herzinfarkt zählt nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Gleichzeitig gehört er zu den Erkrankungen, bei denen die moderne Medizin enorme Fortschritte erzielt hat. Wird ein verschlossenes Herzkranzgefäß rechtzeitig wieder geöffnet, kann ein Großteil des Herzmuskels gerettet werden.

Deshalb gilt in der Kardiologie ein einfacher Grundsatz:

Zeit ist Herzmuskel.

Je früher ein Herzinfarkt erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen und desto geringer ist das Risiko bleibender Herzschäden.


Was passiert bei einem Herzinfarkt?

Ein Herzinfarkt, medizinisch Myokardinfarkt, entsteht, wenn ein Herzkranzgefäß plötzlich verschlossen wird. Die Herzkranzgefäße versorgen den Herzmuskel rund um die Uhr mit Sauerstoff und Nährstoffen. Wird diese Versorgung unterbrochen, beginnt der Herzmuskel bereits nach wenigen Minuten Schaden zu nehmen.

Anders als viele andere Gewebe kann sich abgestorbener Herzmuskel nicht vollständig regenerieren. Stattdessen entsteht Narbengewebe, das die Pumpfunktion dauerhaft beeinträchtigen kann. Deshalb handelt es sich bei jedem Herzinfarkt um einen medizinischen Notfall.


Wie entsteht ein Herzinfarkt?

Die eigentliche Ursache entwickelt sich meist über viele Jahre. In den Herzkranzgefäßen lagern sich Cholesterin, Entzündungszellen und Bindegewebe in der Gefäßwand ab. Diese Veränderungen werden als Arteriosklerose bezeichnet.

Solche Ablagerungen bleiben oft lange unbemerkt. Gefährlich wird es, wenn eine dieser Plaques plötzlich aufreißt. Der Körper versucht, die verletzte Gefäßwand mit einem Blutgerinnsel zu verschließen. Dabei kann das Herzkranzgefäß innerhalb weniger Minuten vollständig blockiert werden.

Ab diesem Zeitpunkt erhält der betroffene Herzmuskel keinen Sauerstoff mehr. Ohne rasche Behandlung sterben Herzmuskelzellen unwiederbringlich ab.


Herzinfarkt erkennen – typische Symptome:

Die Beschwerden können von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Typische Warnzeichen sind jedoch:

  • Druck oder Engegefühl hinter dem Brustbein
  • starke Brustschmerzen
  • Schmerzen mit Ausstrahlung in linken Arm, beide Arme, Schulter, Rücken, Hals oder Unterkiefer
  • Atemnot
  • kalter Schweiß
  • Übelkeit oder Erbrechen
  • starke Schwäche
  • Schwindel
  • plötzliches Angstgefühl oder Todesangst

Besonders typisch ist, dass die Beschwerden länger als 15 bis 20 Minuten anhalten und sich in Ruhe nicht bessern.


Herzinfarkt bei Frauen

Ein Herzinfarkt zeigt sich bei Frauen häufig weniger eindeutig als bei Männern. Brustschmerzen können zwar auftreten, stehen jedoch nicht immer im Vordergrund.

Viele Patientinnen berichten stattdessen über:

  • ungewöhnliche Müdigkeit
  • Luftnot
  • Übelkeit
  • Oberbauchbeschwerden
  • Rückenschmerzen
  • Schwindel
  • allgemeine Schwäche

Dadurch wird ein Herzinfarkt bei Frauen leider häufig später erkannt. Gerade deshalb sollten solche Beschwerden niemals unterschätzt werden.


Der stille Herzinfarkt

Nicht jeder Herzinfarkt verursacht starke Schmerzen. Besonders ältere Menschen sowie Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus erleben manchmal einen sogenannten stillen Herzinfarkt.

Die Beschwerden können überraschend unspezifisch sein:

  • Leistungsknick
  • Atemnot
  • starke Erschöpfung
  • Schwindel
  • allgemeines Unwohlsein

Auch diese Symptome sollten rasch ärztlich abgeklärt werden.


Was tun bei Verdacht auf einen Herzinfarkt?

Besteht der Verdacht auf einen Herzinfarkt, zählt jede Minute.

Rufen Sie sofort den Notruf 144.

Versuchen Sie nicht, selbst mit dem Auto ins Krankenhaus zu fahren. Bereits im Rettungswagen können lebensrettende Maßnahmen eingeleitet, ein EKG geschrieben und das Herzkatheterlabor vorbereitet werden.

Eine schnelle Behandlung verbessert die Überlebenschancen erheblich.


Wie wird ein Herzinfarkt diagnostiziert?

Im Krankenhaus erfolgen innerhalb weniger Minuten mehrere Untersuchungen:

  • ausführliches Arztgespräch
  • körperliche Untersuchung
  • 12-Kanal-EKG
  • Blutuntersuchung mit Troponin
  • Überwachung von Herzrhythmus, Blutdruck und Sauerstoffsättigung

Bestätigt sich der Verdacht auf einen akuten Herzinfarkt, wird in den meisten Fällen unmittelbar eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt.


Wie wird ein Herzinfarkt behandelt?

Das wichtigste Ziel besteht darin, das verschlossene Herzkranzgefäß möglichst rasch wieder zu eröffnen.

Heute gelingt dies meist durch eine Herzkatheteruntersuchung. Über die Arterie am Handgelenk oder in der Leiste wird ein dünner Katheter bis zum Herzen vorgeschoben. Mit einem kleinen Ballon wird die Engstelle erweitert. Anschließend stabilisiert häufig ein Stent das betroffene Gefäß dauerhaft.

Zusätzlich erhalten Patientinnen und Patienten Medikamente, welche die Blutgerinnung hemmen, das Herz entlasten und das Risiko weiterer Herzinfarkte deutlich senken.


Kann man einem Herzinfarkt vorbeugen?

Ja. Viele Herzinfarkte lassen sich verhindern.

Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:

  • Nichtrauchen
  • gute Blutdruckeinstellung
  • Senkung erhöhter LDL-Cholesterinwerte
  • Behandlung eines Diabetes mellitus
  • regelmäßige Bewegung
  • mediterrane Ernährung
  • normales Körpergewicht
  • ausreichend Schlaf
  • Stressreduktion

Ebenso wichtig sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Erkrankungen wie Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte verursachen oft jahrelang keine Beschwerden und bleiben deshalb unbemerkt.


Fazit

Ein Herzinfarkt kommt selten völlig ohne Vorwarnung. Der Körper sendet häufig Signale, die ernst genommen werden sollten. Brustschmerzen, Atemnot oder ein plötzliches Druckgefühl im Brustkorb sind niemals Beschwerden, die man einfach aussitzen sollte.

Die moderne Kardiologie kann heute vielen Menschen das Leben retten. Entscheidend bleibt jedoch, dass Betroffene die Warnzeichen früh erkennen und ohne Zeitverlust den Notruf wählen.

Wer seine Risikofaktoren kennt und regelmäßig kontrollieren lässt, kann zudem aktiv dazu beitragen, einem Herzinfarkt vorzubeugen und die Herzgesundheit langfristig zu erhalten.


Häufig gestellte Fragen

Kann ein Herzinfarkt ohne Brustschmerzen auftreten?

Ja. Besonders Frauen, ältere Menschen und Diabetiker leiden häufig unter Luftnot, Übelkeit oder starker Müdigkeit anstelle klassischer Brustschmerzen.

Wie lange dauern Herzinfarktschmerzen?

Meist länger als 15 bis 20 Minuten. Sie bessern sich weder in Ruhe noch durch Lagewechsel.

Kann Stress einen Herzinfarkt auslösen?

Stress allein verursacht in der Regel keinen Herzinfarkt. Bei bereits bestehenden Gefäßverkalkungen kann er jedoch ein auslösender Faktor sein.

Kann man einem Herzinfarkt vorbeugen?

Ja. Ein gesunder Lebensstil sowie die konsequente Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und erhöhten Cholesterinwerten können das Risiko deutlich senken.


Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt wählen Sie sofort den Notruf 144.

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